Gründerpreis für Münchner Bremsenspezialisten

 
Auf der Überholspur
 
Holger Lathwesen und Karlheinz Herzog wollen ihre Erfindung weltweit vermarkten
 
Von Otto Fritscher„Die Stückzahl wird in die Millionen gehen“: Holger Lathwesen (li.) und Karlheinz Herzog sind überzeugt, dass die von ihnen entwickelte Scheibenbremse bald in Serienautos eingesetzt werden kann.
Eine Preisverleihung ist für diese beiden Münchner Unternehmer fast schon etwas Normales: Holger Lathwesen und Karlheinz Herzog dürfen sich nun auch noch mit dem Bayerischen Gründerpreis des Sparkassenverbandes schmücken, der ihnen am Mittwochabend in Nürnberg verliehen wurde. Er reiht sich in die Sammlung der Auszeichnungen, die das gerade mal drei Jahre alte Startup bereits eingeheimst hat: erster Platz beim Münchner Business-Plan-Wettbewerb, dann den Deutschen Stahlinnovationspreis. Womit schon klar wäre, dass Herzog und Lathwesen etwas Handfestes entwickelt haben.
 
Ihr Prunkstück hört auf die etwas sperrige Bezeichnung „Verbundbremsscheibe“, auch der Firmenname „SHEET CAST Technologies“ ist ein Zungenbrecher. „Sheets“ sind Blechteile, „Cast“ ist  Englisch für Guss oder Gussverfahren. Scheibenbremsen hat heutzutage fast jedes Auto. „Die Neuheit sind die radialelastischen Elemente“, erklärt Ingenieur Lathwesen. „Unsere Konzeption führt dazu, dass die Bremsen rund zwei Kilo leichter und bei der Herstellung um bis zu 50 Prozent billiger sind als herkömmliche Bremsscheiben.“ Acht Kilo Gewichtsersparnis pro Auto sind ein Wert, der jeden Autohersteller elektrisiert.
 
Die beiden Unternehmer kennen sich aus einem Ingenieurbüro in Ingolstadt. Lathwesen, 38, ist Techniker, Herzog, 45, Kaufmann. 2006 gründeten sie eine eigene Firma, um die Entwicklung und  Vermarktung der Bremsen voranzutreiben. Mit Erfolg. 2009 haben wir eine Roadshow bei allen großen Autoherstellern gemacht und unser Konzept vorgestellt. „Die Reaktionen waren allesamt sehr positiv.“ Demnächst werden die ersten 20 realen Prototypen der Bremsscheiben gegossen, die Werkzeuge dafür werden gerade gefräst. Allein die Prototypen kosten 50 000 Euro.
 
Starke Konkurrenz
Die Prototypen werden dann zu den großen deutschen Autoherstellern gebracht und im Sommer auf Prüfständen getestet. Um so weit zu kommen, haben Lathwesen und Herzog viel Geld in SHEET CAST Technologies gesteckt: rund 400 000 Euro aus Eigenkapital. Es scheint sich auszuzahlen.
 
„Es gibt weltweit sehr starke Konkurrenz unter den Bremsenentwicklern, deshalb existieren Hunderte von Patenten“, beschreibt Lathwesen das Wettbewerbsumfeld. „Aber die meisten Konzepte, die wir gesehen haben, sind in der Herstellung zu teuer. Das ist unser großer Vorteil“, erklärt der Ingenieur. Die Idee zur Verbundbremsscheibe mit den radialelastischen Elementen ist Lathwesen „in vielen schlaflosen Nächten“ gekommen. Wenn sich ein Autohersteller für die Bremsscheibe der beiden Münchner entscheidet, wären noch rund eineinhalb Jahre bis zur Großserienreife nötig.  Zurzeit sind Lathwesen und Herzog dabei, zusätzlich Forschungsprojekte zu initiieren, darunter eines mit dem Gießereitechnischen Institut der TU München.
 
Um die weitere Finanzierung macht sich Herzog keine Sorgen. „Wir haben bereits Zusagen, wenn wir Geld brauchen. Aber mehr Kapital würde die Entwicklung nicht beschleunigen“, erklärt er. „Wir wollen unser Knowhow nicht verkaufen, sondern selbst in der Hand behalten“, erläutert Herzog das Konzept.
 
Er ist der Herr der Zahlen, er bremst das Risiko, Lathwesen, der Bremsenspezialist, gibt gerne Gas. Wie halten es so unterschiedliche Typen als Geschäftspartner miteinander aus? „Ja, machmal ist das schwierig, aber wir ergänzen uns halt super“, sagt Lathwesen. Sehr unterschiedlich ist auch das Verhältnis der beiden zum Auto: „Ich bin Autonarr und fahre einen heißen Reifen. Mein Leben lang habe ich an Autos rumgeschraubt“, sagt Lathwesen. Herzog macht sich nicht viel aus Autos: „Es muss mich halt sicher von A nach B bringen. Ansonsten fahre ich lieber Fahrrad oder Motorrad.“
 
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 21. Mai 2010

Karriere bei Sheet Cast

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Forschungsprojekte

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