Technologiezentrum ausgebucht

Bremsentüftler, Spiele-Entwickler und IT-Spezialisten arbeiten Tür an Tür

Bremsscheibenentwickler Holger Lathwesen und Karlheinz Herzog

Von Otto Fischer
 "Es tut mir immer in der Seele weh, wenn ich Gründer abweisen muss", sagt Christina Mann. "Das sind Menschen voller Tatendrang, die aber Raum brauchen, um Ihre Ideen soweit zu entwickeln, dass sie auf den Markt gebracht werden können. Genau diesen Raum soll Christina Mann den Startups eigentlich geben. Schließlich leitet sie das neue Münchner Technologiezentrum (MTZ), das auf dem Gelände der Stadtwerke-Zentrale vor fast einem Jahr eröffnet wurde. "Aber wir sind ausgebucht", sagt Mann. 58 Firrnen, die meisten aus dem Hochtechnologie-Bereich wie Life Sciences oder IT, aber auch Spiele-Entwickler wie Ravensburger Online, beherbergt der Komplex zurzeit. ,,Wir sind eine Art Durchlauferhitzer, in der Firrmen wachsen können, bis sie dann durchschnittlich nach zwei Jahren wieder ausziehen und ganz auf eigenen Füßen stehen", beschreibt Mann die Funktion des MTZ.

Das besondere am MTZ ist, dass es mit Schreibtisch, Computer und schneller Internet-Anbindung ausgestattete Räume ab 25 Quadratmetern zu günstigen Konditionen vermietet - ein Angebot, das auf dem freien Markt in München kaum zu finden ist. Dazu kommt die gute Einbindung in Netzwerke wie den Münchner Business-Plan-Wettbewerb, der im selben Haus seinen Sitz hat. "So können wir oft schnell bei Finanzierungsfragen helfen", sagt Mann. "Manchmal komme ich mir vor wie eine Partnervermittlung."

Aber manchmal muss sie angesichts der Raumnot im MTZ an Scheidung denken. "Ich muss langsam schauen, dass ich die ersten größeren Firmen wieder hinauskomplimentiere", sagt Christina Mann ironisch. Diese könnten dann eventuell auf dem benachbarten M-Campus eine Bleibe finden. Die erste MTZ-Erweiterung ist bereits im vergangenen Dezember vorgenommen worden, sie war ursprünglich erst für 2010 geplant. "Eigentlich bräuchten wir schon wieder eine Erweiterung", sagt Mann. Maximal 100 Startups sollen Platz im MTZ finden.

Christina Mann leitet das Münchner Technologiezentrum"Manchmal verstehe ich selbst nicht genau, was meine Kinder, wie ich die Mieter hier manchaml nenne, machen", sagt Christina Mann und sie lacht dabei. Eine der Vorzeigefirmen ist die Sheet Cast Technologies GmbH, die Holger Lathwesen und Karlheinz Herzog gegründet haben. Der Ingenieur und der Kaufmann haben sich zusammengetan, um eine neue Generation von Scheibenbremsen auf den Markt zu bringen. Das Besondere: Die Bremse ist rund ein Kilogramm leichter als bisherige Systeme. "Die Autohersteller sind angesichts der CO2-Debatte um jedes Gramm Gewichtseinsparung froh", erläutert Lathwesen.

Für Ihre Entwicklung wurden die beiden Münchner im vergangenen Sommer mit dem deutschen Stahl-Innovationspreis ausgezeichnet. Bisher existiert Ihre Bremse nur im Computer, das erste Mal soll sie Ende des Jahres als Prototyp hergestellt und dann bei Autoherstellern getestet werden. "Wir sind sicher, dass sie ein größer Erfolg werden wird", sagt Karlheinz Herzog. Er denkt schon an den Auszug aus dem MTZ - wie alle erfolgreichen Firmen. Christina Mann hätte dann wieder ein Plätzchen frei.

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung (SZ) - Ausgabe vom 21. September 2009

Karriere bei Sheet Cast

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